Eine Online-Krankschreibung ohne ärztliche Untersuchung? Hört sich bequem an, kann aber fatale Folgen haben: Das Landesarbeitsgericht Hamm entschied, dass ein Arbeitgeber einer solchen Täuschung nicht vertrauen muss. Im vorliegenden Fall reichte ein Arbeitnehmer eine digitale Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ein, die lediglich auf einem Fragebogen basierte.
Die Konsequenzen waren drastisch: Der Arbeitgeber kündigte dem Arbeitnehmer fristlos, da kein Kontakt zu einem Arzt stattgefunden hatte. Besonders problematisch war, dass weder ein Telefongespräch noch eine Video-Untersuchung erfolgte und der Anbieter zudem keine digitale AU-Meldung (eAU) an die Krankenkasse übermittelte. Schlussendlich stellten die fragwürdigen AGB des Portals sowie der fehlende Beweiswert der Bescheinigung die Rechtmäßigkeit komplett infrage.
Die Richter sahen darin eine erhebliche Vertrauensverletzung. Sowohl die mangelhafte Erstellung der AU als auch die bewusste Irreführung zerstörten die Grundlage des Arbeitsvertrags. Damit war die fristlose Kündigung laut Urteil gerechtfertigt.
💡 Wichtige Tipps: So handeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer sicher
Für Arbeitgeber:
Erkenne potenzielle Täuschungen rechtzeitig:
- 🔍 Herkunft prüfen: Kommt die Krankschreibung von einem bekannten, seriösen Anbieter? Gibt es eine digitale Krankmeldung (eAU)?
- 📑 Sorgfältig dokumentieren: Notiere, wie sich der Mitarbeiter krankgemeldet hat, und dokumentieren Sie verdächtige Details.
- 🎯 Gezielt fragen: Stell direkte Fragen zu Symptomen und zum Kontakt mit einem Arzt (z. B. per Video oder Telefon).
Für Arbeitnehmer:
Beachten Sie diese Regeln, um rechtlich sicher zu handeln:
- ✅ Echte ärztliche Konsultation: Eine Krankschreibung ist nur rechtsgültig, wenn ein Arzt Sie untersucht – persönlich, per Video oder telefonisch.
- ✅ Seriöse Anbieter: Nutze Portale, die offiziell eine eAU an die Krankenkasse melden.
- 🚫 Vorsicht vor Fragebogen-Tools: Anbieter, die ausschließlich durch digitale Formulare arbeiten, sind oft keine sichere Wahl.
📢 Bleib rechtlich abgesichert!
Online-Krankschreibungen bieten viele Vorteile, können aber Risiken bergen. Arbeitgeber sollten zweifelhafte Fälle prüfen, während Arbeitnehmer besser nur auf seriöse Anbieter setzen.
Hast du Fragen?
Schreib uns gern an info@kanzlei-wulf.de.
Weitere Informationen und praktische Tipps gibt’s auch in der aktuellen Podcastfolge von „Einfach Recht“:
🎧 Online-AU nur per Fragebogen- fristlose Kündigung bestätigt
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