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Sabbatical richtig planen – so geht’s rechtssicher

von | 15. Juli 2025 | Arbeitsrecht

Sabbatical – ein Thema mit wachsender Relevanz: Immer mehr Beschäftigte sehnen sich nach einer beruflichen Auszeit. Ob zur Erholung, für Reisen oder zur persönlichen Weiterentwicklung – ein Sabbatical kann neue Perspektiven eröffnen. Doch was ist arbeitsrechtlich überhaupt möglich? Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten rechtlichen Rahmenbedingungen, Modelle und Fallstricke für Sabbaticals im privaten Sektor.

Was bedeutet Sabbatical und wie groß ist das Interesse?

Aktuelle Umfragen zeigen: Besonders bei Berufstätigen zwischen 18 und 38 Jahren ist das Interesse an einem Sabbatical groß – rund 70 % ziehen eine längere Auszeit in Betracht. Hauptmotive sind:

  • Reisen und Auslandsaufenthalte (über 75 %)
  • Erholung und Stressabbau (rund 65 %)
  • Persönliche Weiterbildung (knapp 40 %)
  • Pflege von Angehörigen oder Zeit für Familie

Die gewünschte Dauer liegt bei den meisten zwischen drei und sechs Monaten, teils aber auch bis zu zwei Jahren.

Besteht ein gesetzlicher Anspruch auf ein Sabbatical?

Ein Sabbatical ist im deutschen Arbeitsrecht nicht gesetzlich garantiert – zumindest nicht in der Privatwirtschaft. Anders im öffentlichen Dienst: Tarifverträge wie der TVöD ermöglichen dort unter bestimmten Voraussetzungen ein sogenanntes Sabbatjahr.

In der Privatwirtschaft ist ein Sabbatical nur durch vertragliche Regelung oder gesetzliche Öffnung möglich – beispielsweise über die sogenannte Brückenteilzeit.

Sabbatical über Brückenteilzeit nach dem TzBfG

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (§ 9a TzBfG) ermöglicht seit 2019 eine befristete Teilzeit – auch in Form eines Sabbaticals.

Voraussetzungen:

  • Mindestens 6 Monate Betriebszugehörigkeit
  • Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten
  • Antrag 3 Monate vor Beginn in Textform
  • Angabe von Zeitraum und Umfang der Reduzierung

Sogar eine Reduzierung auf Null Stunden ist möglich – sofern dies betrieblich vertretbar ist. Gerichte wie das LAG Hamburg bestätigen, dass auch Blockfreistellungen (z. B. 9 Monate Arbeit, 3 Monate Sabbatical) zulässig sind.

Aber: Der Arbeitgeber darf den Antrag aus betrieblichen Gründen ablehnen – z. B. bei erheblicher Beeinträchtigung des Arbeitsablaufs oder unverhältnismäßigen Kosten.

Modelle zur Umsetzung eines Sabbaticals

1. Teilzeit mit Blockfreistellung (Ansparmodell): Arbeitnehmer arbeiten zunächst voll, erhalten aber anteiliges Gehalt. Das Differenzgehalt wird als Wertguthaben angespart und in der Freistellungsphase ausgezahlt. Vorteile:

  • Durchgehender Sozialversicherungsschutz
  • Finanzielle Planbarkeit

2. Unbezahlter Sonderurlaub: Hier ruht das Arbeitsverhältnis vollständig – ohne Gehalt, Urlaubsanspruch oder Sozialversicherung (nach einem Monat). Eher für kurze Sabbaticals geeignet.

3. Zeitwertkonten: Überstunden, Boni oder Gehaltsverzicht werden auf ein Zeitwertkonto eingezahlt und später für ein Sabbatical verwendet. Wichtig:

  • Insolvenzsicherung
  • Zweckbindung
  • Schriftliche Vereinbarung

4. Teilzeit ohne komplette Freistellung: Eine reine Arbeitszeitreduktion (z. B. 50 %) ist ebenfalls möglich, entspricht aber nicht dem klassischen Sabbatical.

Was muss in der Sabbatical-Vereinbarung geregelt sein?

Damit das Sabbatical rechtssicher gestaltet ist, sollte die Vereinbarung u. a. folgende Punkte enthalten:

  • Beginn und Ende des Sabbaticals
  • Finanzierung (Gehaltsverzicht, Wertguthaben etc.)
  • Sozialversicherung und betriebliche Altersvorsorge
  • Rückkehrgarantie auf gleichwertigen Arbeitsplatz
  • Kündigungsregelungen während der Freistellung
  • Vertretungsregelung und ggf. Erreichbarkeit
  • Zweckbindung bei Nutzung eines Wertguthabens (nach § 7b SGB IV)

Fazit: Sabbatical nur mit rechtssicherer Grundlage

Ein Sabbatical bietet sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern Chancen: Erholung, Prävention von Burnout und neue Motivation. Doch ohne vertragliche Vereinbarung oder gesetzliche Grundlage besteht kein Anspruch auf eine berufliche Auszeit.

Wichtig für Unternehmen: Anträge rechtzeitig prüfen und bei Ablehnung schriftlich begründen – sonst gilt das Sabbatical als genehmigt (§ 9a Abs. 3 TzBfG).

Mit einer klugen Gestaltung – etwa über Brückenteilzeit oder Wertkonten – lassen sich Sabbaticals rechtlich sicher und praxisnah umsetzen.

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Rechtsanwalt | Sandro Wulf

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