Die vulgäre Kritik eines Mitarbeiters sorgt in Unternehmen regelmäßig für Eskalationen. Doch rechtfertigt eine derbe Wortwahl sofort eine Kündigung? Das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf hat hierzu mit Urteil vom 18.11.2025 (Az. 3 SLa 699/24) klare Grenzen gezogen.
Vulgäre Kritik ≠ Kündigungsgrund
Nach der Entscheidung des LAG Düsseldorf ist vulgäre Kritik nicht automatisch kündigungsrelevant. Auch grob formulierte Aussagen können vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt sein, solange sie nicht die Schwelle zur Schmähkritik überschreiten. Maßgeblich ist nicht allein der Wortlaut, sondern Kontext, Anlass und Zielrichtung der Äußerung.
🔍 Kritik oder Schmähkritik – wo liegt die Grenze?
Eine Kündigung kommt nur dann in Betracht, wenn die Äußerung gezielt auf die persönliche Herabwürdigung einer Führungskraft oder eines Kollegen abzielt. Das LAG Düsseldorf stellt klar:
👉 Nicht jede beleidigend klingende Aussage ist eine Beleidigung im arbeitsrechtlichen Sinn.
👉 Entscheidend ist die Gesamtwürdigung der Situation (Stress, Betriebsklima, sprachliche Besonderheiten).
Erst wenn die Aussage ausschließlich der Diffamierung dient, liegt Schmähkritik vor.
📑 Abmahnung vor Kündigung?
Nach § 1 Abs. 2 KSchG gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Bei verhaltensbedingten Pflichtverletzungen ist regelmäßig eine Abmahnung erforderlich, bevor eine Kündigung ausgesprochen werden darf.
Das LAG Düsseldorf sah im entschiedenen Fall eine Abmahnung als milderes und ausreichendes Mittel an – die Kündigung war daher unwirksam.
🏢 Bedeutung für Arbeitgeber
Für Arbeitgeber gilt bei Vulgäre Kritik Kündigung Arbeitgeber:
✅ Keine vorschnellen Kündigungen
✅ Sachverhalt vollständig aufklären
✅ Kontext und Bedeutung der Äußerung prüfen
✅ Abmahnung ernsthaft erwägen
Die Beweislast für eine kündigungsrelevante Beleidigung trägt der Arbeitgeber.
✅ Fazit für die Praxis
Unangemessene Sprache allein reicht nicht aus. Eine Kündigung ist nur dann wirksam, wenn eine bewusste persönliche Schmähung vorliegt und mildere Mittel ausscheiden. Wer vorschnell kündigt, riskiert den Prozessverlust.
👉 Jetzt prüfen lassen:
Unsicher, ob Kritik bereits kündigungsrelevant ist? Lass den Fall arbeitsrechtlich prüfen und vermeide teure Fehlentscheidungen.
Schreib uns gern an info@kanzlei-wulf.de.
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🎧 Beleidigung oder Kritik? Wann Arbeitgeber nicht kündigen dürfen!
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